Die nächste große Arbeitstagung mit dem Titel „Wahn.Sinn“ findet am 27. und 28. Januar 2023 im Bürgerhaus am Seepark statt

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WAHN.SINN

Psychotisches Erleben berührt Grenzphänomene. Die Grenzen zwischen dem Selbst und dem Anderen werden prekär und lösen sich auf. Psychotisches Denken zielt auf Grenzerfahrungen, befasst sich mit Leben und Tod, mit Himmel- und Höllenfahrt, Zerstörung und Erlösung. Die Grenzen der Vernunft werden ausgelotet. Die Sprache kann fremd werden, die Worte können zerfallen oder sich neu formieren, dem Denken eröffnen sich neue Bedeutungen, alte werden verschlossen. Die natürliche Selbst-verständlichkeit macht dem Fragen, der Angst, dem Geheimnis Platz. Die Psychoanalyse hat deutlich gemacht, dass der Wahn durchaus Sinn ergibt. Im psychotischen Erleben erkennt sie nicht nur Defizite, sondern auch Möglichkeiten, etwa den Versuch, schwerste Erfahrungen zu bearbeiten. Zugleich würdigt sie Leiden und Zerstörungskraft in langanhaltenden psychotischen Erkrankungen und sucht therapeutische Wege, mit ihnen umzugehen. Weil psychotisches Erleben grenzwertig ist, Grenzen auslotet, auflöst oder überschreitet, ist es immer Gegenstand der Literatur gewesen. Viele Autor*innen haben sich dem psychotischen Erleben als einem anderen, fremden und faszinierenden Erleben zugewandt.
Andere haben ihr eigenes psychotisches Erleben zum Gegenstand literarischer Zeugnisse gemacht. Literatur arbeitet daran, die Ausgrenzung psychotischen Erlebens rückgängig zu machen, indem das psychotische Sprechen als literarische Form normalisiert wird oder die Literatur die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit aufhebt.